In den letzten Tagen wurde ein wenig über eine mögliche Zukunft von Scherbenwelten geredet. Ich bin da etwas irritiert und kann mich so einigen Punkte ganz und gar nicht anschließen.

Serverkosten / Wirtschaftlichkeit

Oft genannt war der Punkt der Wirtschaftlichkeit, die Serverkosten. Ja, die Server oder der Server wird monatliche Kosten verursachen. Jedoch denke ich nicht das dies ein primäres Argument sein sollte. Aus mehreren Aspekten. Zum einen ist die Leistungsfähigkeit heutiger Systeme bedeutend gestiegen ohne das die Kosten in gleichem Niveau angestiegen sind, im Gegenteil, sie sind eher gefallen. Weiterhin ist, und dies ist Realität, die benötigte Gesamtkapazität gefallen. Bei ca 250 Accounts besitzt Scherbenwelten nicht mehr dieselbe Anforderung wie noch vor Jahren. Oder gar zu den Hochzeiten von 2500 aktiven Accounts. Die Rechenspitzen der regelmäßigen Auswertungen sind berechen- und planbar. Hacken dran. Bleiben die von Spielern erzeugten Spitzen. Und da sind nur noch die Kriegsaktionen übrig welche das gesamte runterziehen können. Wer auch immer Scherbenwelten zukünftig betreiben sollte wird, gerade in der Anfangszeit, seine Liebe zum Spiel zeigen müssen und gewisse Ausgaben hinnehmen. Ja sogar müssen. Das ist ein anderer Aspekt. Wer Scherbenwelten übernimmt wird Liebe zum Spiel und zur Plattform Scherbenwelten mitbringen müssen.

Abosystem lockt nicht mehr genug Kunden

Es wurde ebenfalls genannt das das Abosystem nicht mehr genug Kunden locken würde. Das ist auch nicht die Aufgabe eines Abosystemes. Dieses soll Gelder einspielen um a) die laufenden Kosten zu decken und b) bei Erfolg noch Geld in das Säckel der Betrieber spülen. Das Spiel an sich sowie seine Wahrnehmung "dort draussen" soll potentielle Spieler locken. Scherbenwelten ist jedoch ein Hobby. Es ist problemlos denkbar das Scherbenwelten von Spielern für Spieler betrieben wird. Da werden sich Lösungen finden lassen. Wer sagt denn das ein Betreiber denn überhaupt noch Abos verkauft? Es ist denkbar das Scherbenwelten durchaus von jemandem übernommen wird der die Kosten trägt und das Spiel frei stellt. Dies findet bei anderen Spielen statt und kann auch hier geschehen. Ja, Betriebskosten werden anfallen. Doch je nach Höhe der Kosten können diese auch unter "Ist mein Hobby" gestemmt werden. Um es noch mal klar zu sagen wie ich das sehe: ein Free2Play bedeutet nicht das Spieler Kohle versenken müssen Im Zweifel wie ich es mit Insulae halte. Einfach mal bei einem Treffen ein [Lieblingsgetränk] ausgeben. Eine solche Geste spiegelt auch eher den Respekt vor der Arbeit des Entwicklers wieder denn ein regelmäßiger Geldeingang. Welcher, so schön er sein mag, gerade für Einzelpersonen auch in Bürokratie enden kann das ganze korrekt zu versteuern.

"Bei Pay2Win steige ich aus."

Ja aber, davon wurde doch noch rein gar nichts geschrieben. Weder von Webtales jetzt noch von dem uns noch nicht bekannten Betreiber. Hier werden ohne jeglichen Grund und ohne jegliche Fakten nicht mögliche Konsequenzen angedrohnt. Das ist nicht nur falsch, eine solche Haltung in der Community setzt einen eventuellen Betreiber nur schon vor der Übernahme unnötig unter Druck. Das Spielebetreiber und Entwickler ein dickes Fell haben müssen ist hinlänglich bekannt. Viele von uns haben sich dieses Fell über Jahre gezüchtet, die anderen sind schlicht an ihren Communitys gescheitert. Durch solche Reaktionen wird nur die Gruppe von Interessenten vergrault welche den Betrieb als Hobby sehen und mit Herzblut dabei sind, die SW nicht untergehen lassen wollen. Womit nur noch die Interessenten übrig bleiben welche genau in diese nicht gewünschte Bresche überhaupt reininvestieren. Ich hoffe inständig das kein aktueller Spieler von Scherbenwelten ernsthaft sich wünscht das Firmen wie "SevenGames Network GmbH" der "ProSieben Games", die "Bigpoint GmbH", "Gameforge AG", "gamigo AG" oder Konsorten der deutschen Browsergameshersteller Scherbenwelten übernehmen. Denn das wäre in der Tat die Weiche in diese Richtig. Und, um es mal bei Spielen wie EVE Online oder World of Warcraft zu betrachten: die Einführung von speziellen Reittieren oder besonderen Farbvarianten für die Raumschiffe war auch nicht der Untergang des Abendlandes. Das sind keine Pay2Win Elemente. Davon muss sich niemand bedroht fühlen. Bitte hört auf alles wo Geld fließt zu verteufeln.

Die Codebase ist veraltet und die Infrastruktur ist alt

Ist sie das wirklich? Ist sie alt oder einfach nur nicht für flexible, schnelle Entwicklungsschritte ausgelegt? Und was würde Scherbenwelten davon gewinnen wenn, theoretisch, die neueste PHP Version mit der neuesten MySQL-Version und dem neuesten Apache laufen? Was würde sich für das Spiel Scherbenwelten so verändern das die Spieler dies auch wirklich mitbekommen? Ich sage: wenig bis gar nichts. Das Spiel muss funktionieren ohne das die Nutzer etwas davon mitbekommen. Ob dies nun PHP 5.3.3, PHP 4 (Gott bewahre) oder eine 5.6.1 ist sollte für die Nutzer keine Relevanz haben. Das ist nur für den oder die zukünftigen Betreiber und Entwickler von Interesse und sollte bereits vor der Übernahme geprüft werden.

Weiterhin: alt oder nicht ist denke ich die falsche Frage. Ist der Quellcode und das Datenmodell erfassbar, ist es lesbar? Wie ist der Stand der Dokumentation? Das ist doch die wirkliche Frage denn nur davon ist abhängig wie schnell, wie flexibel und in welchem Umfang zukünftig Änderungen an Scherbenwelten vorgenommen werden können. Und das ist etwas was die Spieler in der Tat zu spüren bekommen.

Bisher habe ich nur von Webtales Aussagen gelesen das der Quellcode ja nicht schön sei. Muss man einfach so stehen lassen.

Jetzt anstehende Fragen

Bedeutend wichtiger wie Dinge wie Serverkosten, Abokosten, Stand des Quellcodes und der Infrastruktur sehe ich jedoch etwas anderes. Was für einen Rattenschwanz bekommt ein zukünftiger Betreiber mit Scherbenwelten dazu. Ich denke nicht das die Serverkosten ein so großer Faktor sind. Hier ist spannender: was verlangt Webtales noch für den Übergang? Welche Folgekosten bestehen jetzt? Wer hält jeden Monat die Hand auf, welche Kosten sind unvermeidbar? Wie stehen denn tatsächlich die Besitzrechte? Was gehört Webtales, was Jochen Stangl, was 4Players? Was kann Webtales denn überhaupt an jemand anderen abgeben? Kann ein zukünftiger Betreiber überhaupt die Verbindung zu 4Players lösen oder ist dies vertraglich so nicht ohne Schwierigkeiten zu bewertstelligen? Wer kann denn tatsächlich über die Domain verfügen? Gibt es noch offene Forderungen welche auf einen zukünftigen Betreiber übergehen? Kurz: was für Verpflichtungen entstehen aus der Übernahme von Scherbenwelten?

Das sind doch die jetzt relevanten Fragen

Multiaccounts sind der Grund warum es jetzt so mies ist

Ist das wirklich so, gibt das da belastbare Zahlen zu oder sind das eher Vermutungen?

  • Wie sähe die Spielerzahl aus ohne Multis aber mit aktiver Weiterentwicklung?
  • Wie sähe die Spielerzahl heute aus wenn es Multis und aktive Weiterentwicklung gegeben hätte?
  • Wie sähe es aus mit Multis ohne Weiterentwicklung?
  • Wie ohne Multis und ohne Weiterentwicklung?

Tatsache ist: wenn überhaupt ist bekannt was Spieler sagen warum sie gehen. Das muss nicht deckungsgleich mit dem tatsächlichem Grund sein. Von Spielern welche ohne Drama einfach nicht mehr weiter spielten wissen wir das in der Regel nicht. Auch wissen wir oft ja gar nicht warum neue Spieler sich dagegen entscheiden ein Abo abzuschließen. Wir können dies eventuell Vermuten doch ohne Rückmeldung von dieser Gruppe ist alles Spekulation. Wenn wenigstens ein paar weitere Key Performance Indicators bekannt wären. Doch auch dies ist ja nicht der Fall. Ich vermute sogar, SW sammelt diese gar nicht in relevanter Menge. Müsste ich mal den Support anschreiben.

Ich möchte damit nicht zum Ausdruck bringen das ich Multis gut heiße oder das dies nicht auch ein Grunde für das Abwandern von Spielern war. Doch dies als alleinigen Grund darzustellen halte ich für zu kurz gedacht. Dafür ist der Themenbereich Warum ist SW heute so wie es ist? für zu komplex.

Die Karte soll kleiner werden.

Ja warum denn? Weil Baum? Weil man es gerne möchte? Solange eine große Karte sich nicht nachweisbar auf die Retention Raten neuer Spieler auswirkt, warum verändern? Hätte ein neuer Betreiber am Anfang nichts wichtigeres anzugehen? Den laufenden Betrieb überhaupt sicherstellen?

Ist ja nicht so das da nicht ein paar Punkte gibt an denen angesetzt werden könnte: loki erreichbar, scherbenw nicht, Datenbank und Support, Serverprobleme - Neuigkeiten, Rundenausfall ... mal wieder oder Serverausfall/Probleme

Das mit der Karte ist jetzt nur ein Beispiel was bereits für Wünsche formuliert werden die darüber hinaus auch nichts mit dem Betrieb des Spielers zu tun haben und die wie ich vermute reines Wunschkonzert sind deren Auswirkungen nicht nachgewiesen werden könnten.

Rechtliche Dinge

Nun etwas das erst einmal nicht im Fokus steht. Ein Punkt den ein Betreiber ja auch die rechtliche Situation mit von Spielern generierten Inhalten. Dies sind nicht nur Wappen oder Avatarbilder. Dies sind auch Beiträge in den Foren, in den Nachrichten welche sich Spieler gegenseitig über die Plattform zusenden. Die Gesetzgebung ist hier in Deutschland stark dabei das ganze für zum Beispiel Forenbetreiber höchst unangenehm werden zu lassen. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat diesbezüglich ja erst kürzlich etwas zu veröffentlicht. Noch "harmlos" doch wenn wir uns überlegen was in den letzten Jahren so alles in die Pipeline geschickt wurde kann sich dies auch bald verschmlimmern. Worauf ich hinaus will: ein Betreiber wird nicht allein mit dem technischen Betrieb zu tun haben. Da gibt es noch etwas mehr hintendran.

Insgesamt driftet die Diskussion wie ich finde wieder zu stark in eine von Gefühlen und damit Ängsten getriebene Richtung an. Wir wissen nur konkret: Webtales gibt auf ab 01.01.2016 muss anscheinend jemand neues am Start sein, sonst ist es auch mit SW aus * Webtales bemüht sich eine Zukunft für SW zu finden.

Auch wissen wir: es gibt keine Garantie das es weiter geht.